Jahrestagung des Arbeitskreises Bahn:
BVMB fordert von der DB AG Transparenz und Verlässlichkeit über geplante Bauprojekte

Auf der Jahrestagung des Arbeitskreises Bahn der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V. (BVMB) am 5. November 2018 in Berlin mit mehr als 180 Teilnehmern wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig der regelmäßige Austausch aller am Bahnbau Beteiligten ist und bleibt. Die BVMB begrüßte im öffentlichen Teil der Jahrestagung neben Vertretern der deutschen Bauwirtschaft auch Vertreter der Deutschen Bahn AG (DB AG) und der Politik, darunter Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Dr. Volker Hentschel, Vorstand Produktion der DB Netz AG und Gerald Saremba, Leiter Lieferantenmanagement und Qualitätssicherung der DB AG.

Zu Beginn betonte Martin Steinbrecher, Präsident der BVMB, wie wertvoll das konstruktive Miteinander und der Austausch im Bahnbau für das Verständnis der Probleme des Gegenübers sind und vielleicht ein Weg sei, sogar neue und partnerschaftliche Lösungen anzustoßen. Steinbrecher forderte im Sinne der Planungssicherheit für die Unternehmen der Bauwirtschaft von der Politik verlässliche Investitionsrahmenbedingungen und eine konstruktive Partnerschaft mit der DB AG. Die Wahrnehmung der Auftraggeber und der Politik von überhöhten Baupreisen sei oftmals „hausgemacht“, da veraltete Baukostenschätzungen der den Auftrag vergebenden Stellen die reale Kostenentwicklung in der Bauwirtschaft der vergangenen Jahre nur mangelhaft abbilden. Neben Kostensteigerungen bei den Produktionsfaktoren führten aber auch sozialpolitische Effekte, wie z. B. die zuletzt kräftige Erhöhung der Tariflöhne sowie konjunkturelle und demografische Effekte oder der Fachkräftemangel zum Anstieg der Preise. Nur durch gemeinsame Bemühungen zur Verbesserung der Attraktivität des Bahnbaumarktes könne man neue Fachkräfte für den Sektor gewinnen. Unattraktive Arbeitszeiten im Bahnbau, vor allem der extrem hohe Anteil an Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie Arbeiten in den Schulferien seien ein drängendes Problem für die im Eisenbahnbereich tätigen Bau- und Sicherungsunternehmen. „Eine Arbeitszeit montags bis freitags zwischen 7 und 16 Uhr muss bei uns im Bahnbau wieder die Regel werden und darf nicht die Ausnahme bleiben“, forderte Steinbrecher.

Enak Ferlemann, Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und Beauftragter des Bundes für den Schienenverkehr in Deutschland, lobte den Mittelstand als Herzstück der deutschen Wirtschaft: „Mut und Freude am Risiko bringen unser Land voran und die Politik erkennt dies durchaus an.“ So böte der Koalitionsvertrag gute Bedingungen für die mittelständische Bauwirtschaft im Bahnbausektor. Der „Schienenpakt 2030“ sehe vor, die Kapazitäten im Personen- und Güterverkehr auf der Schiene bis 2030 zu verdoppeln. Maßnahmen wie der Bundesverkehrswegeplan, die fortschreitende Digitalisierung der Schiene und das „1000-Bahnhöfe-Programm“ seien eine große Chance für die Schiene und die Bauwirtschaft. Dazu würden bereits heute notwendige Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen, die zudem wahrscheinlich weiter erhöht würden. Die Bauwirtschaft müsse die Preise erzielen können, die sie benötigt, wobei auch Gewinne nicht ungewöhnlich seien, gestand Ferlemann mit Blick auf den Anstieg der Baupreise zu. Er forderte die Unternehmen auf, in den Betrieben die erforderlichen Kapazitäten für die anstehenden Bauaufgaben zu schaffen. Dem stellte Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der BVMB, die Forderung nach Verlässlichkeit für die Kapazitätsplanung gegenüber: „Transparenz der DB AG über die geplanten Bauprojekte und Verlässlichkeit sind im Sinne einer guten Informationspolitik und Planungssicherheit unerlässlich“, so Gilka, „denn die Kapazitäten dafür sind in den Bauunternehmen vielfach aufgebaut und vorgehalten.“

Gerald Saremba machte in seinem Vortrag deutlich, dass die Lösungsorientierung und die Zuverlässigkeit wichtige Gründe dafür seien, dass die DB AG erfolgreich mit dem Mittelstand zusammenarbeite. Er bedauerte aber gleichzeitig, dass heute nur noch wenige Angebote für ein Projekt eingehen und sich die Unternehmen offenbar häufig gegen Bahnbauprojekte der DB AG entscheiden. Auch Dr. Volker Hentschel unterstrich die Bedeutung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Bauwirtschaft und der DB AG zur Bewältigung des größten Modernisierungsprogramms in der Geschichte der DB AG. Er wertete die LuFV II als großen Erfolg und ermunterte die Bauwirtschaft, wieder verstärkt Angebote abzugeben, denn die Bieterquote sei wenig zufriedenstellend. Dem stellte Michael Gilka entgegen, dass andere Bauherren hinsichtlich ihrer Strukturen und Prozesse deutlich unkomplizierter als die DB AG wären. „Die Bauunternehmen treffen aufgrund der hohen Nachfrage nach Bauleistungen derzeit bewusster ihre Entscheidungen für oder gegen einen Auftraggeber“, gab er zu bedenken und forderte die DB AG diesbezüglich auf, annehmbare Rahmenbedingungen durch bessere Leistungsbeschreibungen und günstigere Vorlaufzeiten zwischen Submission und Leistungsbeginn zu schaffen. Abschließend wurde die Fortsetzung der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen BVMB und der DB AG vereinbart.

Die Presse-News der BVMB finden Sie unter diesem Link.

 

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